„Du solltest das Wort ‚Kunde‘ nicht so negativ sehen“

Wer in Österreich studiert, kann von morgen bis Donnerstag an der Wahl für die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) teilnehmen. Die ÖH ist die offizielle Vertretung der Studierenden in Österreich. Ganz egal, wie die Wahl ausgeht: Eine hohe Wahlbeteiligung stärkt die Studierenden und die Universitäten. Also, geht wählen!

Ich bin ja fast raus aus der Sache. Die Uni werde ich in absehbarer Zeit hinter mir haben. Seit ein paar Tagen flattern dennoch immer wieder Informationen der wahlwerbenden Gruppen in meinen Posteingang. Wer will schon dauernd informiert werden, ohne auch mal was sagen zu dürfen? Bei den Jungen Liberalen (JuLis) hat’s mich dann so sehr in den Fingern gejuckt, dass ich zurückgeschrieben habe. Und die Spitzenkandidatin Claudia Gamon hat mir geantwortet.

Die JuLis zählen in einer recht schnörkellosen E-Mail fünf Gründe auf, um sie zu wählen.

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Das sehe ich alles doch entschieden anders. Aus meinen Einwänden und den Antworten von Claudia Gamon ist fast ein kleines Interview geworden.

1.
Andreas Kiener: Ich glaube, dass Universitäten dem Gemeinwohl dienen sollten und daher vom Staat finanziert werden müssten.
Claudia Gamon: Der Meinung bin ich auch, deshalb soll die Finanzierung auch auf mind. 2% des BIP erhöht werden. Ein (kleiner) Beitrag ist aber deshalb nicht ungerechtfertigt, da ja auch andere Leute die in unserem dualen Bildungssystem einen anderen Weg gewählt haben, unser Studium ja zur Gänze finanzieren.

2.
Ich will nicht Kunde meiner Universität sein, sondern Student. Bildung ist keine Ware, Universitäten sind keine Kaufhäuser und ich möchte mich einbringen, statt bloß zu konsumieren.
Du solltest das Wort „Kunde“ nicht so negativ sehen. Hier geht es nicht um die Ökonomisierung der Bildung, sondern dass wir meinen, dass man an der Uni nicht nur Bittsteller sein sollte. Die Uni sollte in gewisser Weise auch verpflichtet sein, dir entsprechende Studienbedingungen zu ermöglichen.

3.
Die Verteilung der Ressourcen fängt doch schon früher an: Nämlich bei der Entscheidung, wie viel Geld der Staat für Bildung aufwendet.
Stimmt. Als BWL-Studentin bin ich aber auch der Meinung, dass es oft ein Incentive für die angehenden Studenten braucht, sich damit zu beschäftigen was sie eigentlich studieren wollen. Ich glaube die paar Aufnahmeprüfungen, zu denen an der Uni Wien dann im Endeffekt weniger Leute hingegangen sind als es Plätze gegegeben hat, haben gezeigt dass es oft einfach der Fehler ist, dass Studenten in Richtungen anfangen die sie nicht interessieren, weil sie sich keine Gedanken darüber machen müssen und sich deshalb einfach für irgendwas inskribieren. Es geht nicht darum, irgendjemand von einem Studium abzuhalten dass er unbedingt machen will.

4.
Da müssten wir zuerst darüber reden, was mit „Leistung“ gemeint ist.
Es soll eben nicht vom Alter abhängig sein. Wenn jmd 2 Studien hat und trotzdem gut studiert auch wenn er länger braucht, soll er trotzdem weiterhin unterstützt werden.

5.
Warum das denn? Weil den „leistungsbereiten“ Studierenden, die du fördern willst, die 17 Euro ÖH-Beitrag pro Semester nicht zumutbar sind? Im Zweifelsfall finde ich das Recht auf eine starke, gesetzlich verankerte Interessenvertretung wichtiger als das Recht, diese verlassen zu können. Und überhaupt: Warum sollte ich dich wählen, wenn es dein erklärtes Ziel ist, genau die Instanz zu schwächen, für die du kandidierst?
Auch aus liberaler Überzeugung, dass Interessensvertretung auf freiwilliger Basis passieren soll.

Nein, wählen werde ich die JuLis nicht. Aber Claudia Gamon hat meine E-Mail in weniger als einer halben Stunde beantwortet und ist auf meine Argumente eingegangen. Ohne, dass ich irgendetwas von Blog erwähnt habe. Dafür hat sie schon Respekt verdient.

Ein Blog hat sie auch. Hier stellen sich die JuLis dar und hier findet man Infos über die ÖH Wahl

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